Johannes Biba, Wien © 2000

Zur Geschichte des Wiener Walzers

Paarweise getanzte, erotische Werbe-Drehtänze sind in den Alpenländern seit dem 12. Jahrhundert bekannt. 1525 taucht dafür der Name "Walzer" auf. 1783 werden in Heilbronn (D) Walzer-Wettbewerbe veranstaltet, aber die Damen dieser Stadt wollen nicht teilnehmen. 1797 unterscheidet der Berichterstatter in einem Breslauer Journal zwischen "Wiener Walzer", der in "wilder Raschheit" getanzt wird und "gewöhnlichem Walzer", der langsamer ist. 1815 tanzt man auf dem Wiener Kongress Walzer ("Der Kongress tanzt"). 1835 wird Johann Strauß Vater Kaiserlicher Hofballdirektor in Wien.

um 1900 Die ersten Tanzturniere

Die ersten Tanzturniere werden in England und Paris ausgetragen. Tanze: Wiener Walzer, One-Step, Two-Step, Boston. Später kommen hinzu: Slowfoxtrott, Quickstep und Tango. - Aus der Verschmelzung von Wiener Walzer und Boston entsteht der Langsame Walzer (="English Waltz")

1911 (1912?) int. kein Wiener Walzer

Der Wiener Walzer wird aus dem internationalen Programm der Turniertänze gestrichen. Der langsame Boston hat ihn verdrängt.

1918 In Österreich mit Wiener Walzer

8. August: Erstes Tanzturnier in Wien. Entgegen der internationalen Gepflogenheit inklusive Wiener Walzer. Somit wird hier erstmals der Wiener Walzer sportlich getanzt. In den folgenden Jahren wird fast nur in Österreich der Wiener Walzer als fester Bestandteil der fünf Standardtänze (=Langsamer Walzer, Tango, Wiener Walzer, Slowfoxtrott, Quickstep) gesehen.

1928

Erstes Tanzturnier in Graz, ebenfalls mit Wiener Walzer

ca. 1930 Österreicher choreografiert

Der Österreicher Karl von Mirkowitsch (Graz) entwickelt die Choreografie des Wiener Walzers (d.h. welcher Schritt mit Ferse, welcher mit Ballen angesetzt wird; wie weit auf jedem Schritt gedreht werden muss; ...). Damit wird der Wiener Walzer einheitlich wertbar.

30er-Jahre Österreich dominiert

Als int. anerkannte Wiener-Walzer-Trainings-Experten gelten: Kopetzky (Wien), von Schlesinger (Linz), von Mirkowitsch (Graz).
Für ihren außerordentlich schwungvollen Wiener Walzer und dem perfekten "Fleckerl" waren damals die bekanntesten Turnierpaare: Ehepaar Skalka (Wien) und Becic/van Rustenberg (Jugoslawien).

1934 erste Wiener-Walzer-"WM"

In Wien ist erstmals eine "Weltmeisterschaft" im Wiener Walzer.

1938 in Deutschland auch Wiener Walzer

Nach dem "Anschluss" Österreichs wird der Wiener Walzer in das deutsche Turnierprogramm aufgenommen.

1951 Österreicher & Deutscher verbessern Choreografie

Paul Krebs (Nürnberg) lädt Karl von Mirkowitsch (Graz) zu sich ein und entwickelt mit ihm die Choreografie zu sportlich klarerer und besser wertbarer Form weiter.

1967 erste Wiener-Walzer-Konkurrenz

Die erste Wiener-Walzer-Konkurrenz findet in Wien statt.

1968 Vorschlag: mehr Figuren

Len Scrivener (ENG) wendet sich in einem Brief gegen die Reduzierung des Wiener Walzers auf Rechts- und Linksdrehung, schlägt mehr Figurenvariationen vor und beruft sich auf europäische Tänzer, die "extra figures" tanzen.

1997 Diplomarbeit an der Universität

Seit Jahren befasst sich der Wiener Ing. Angelo Volpe ausführlich mit der Technik des Wiener Walzers. 1997 schreibt er eine Diplom-Arbeit am Institut für Sportwissenschaften der Universität Salzburg über die Technik und Choreografie des Wiener Walzers.

2000 Wiener Walzer Ursprung des TanzSports

Der Engländer Harry Smith Hampshire stellt in einem Kommentar in der englischen Zeitung "Dance News" (Nr. 1685) die Überlegung an, dass der Wiener Walzer als Ursprung des TanzSports des 20. Jahrhunderts angesehen werden kann. Er bedauert weiters, dass England dem Wiener Walzer nicht genauso Beachtung geschenkt hat, wie den anderen vier Standardtänzen.

2002 zusätzliche Figuren erlaubt

Am 12. Jänner entscheidet das Präsidium der International DanceSport Federation, IDSF, dass ab sofort bei allen IDSF-Turnieren zusätzlich folgende Figuren im Wiener Walzer getanzt werden dürfen: Spin, Natural Pivot, Reverse Pivot, Left Whisk.


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